Euroletter Nr.3

               

Woinemer Euroletter Nr. 3

März 2019

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Editorial

 Liebe Leserin, lieber Leser

es scheint, als ob die Wahlen zum Europaparlament in diesem Jahr wirklich spannend werden. Es geht, meinen wir, um zweierlei:

Einmal um die Frage, ob die Nationalisten nach dem 26. Mai eine Eindrittel-Blockademinderheit im Europäischen Parlament bekommen. Und zweitens wird heftig diskutiert werden, ob die rund 400 Millionen Wahlberechtigten ein föderales Europa der Nationen oder “Vereinigte Staaten von Europa” bevorzugen. 

Mit unserer Initiative möchten wir informieren, etwa durch die Vorträge, Gespräche und Diskussionen oder auch mit dem Doch-Europa!-Quiz; wir möchten motivieren, vielleicht sogar begeistern, zum Beispiel mit dem  Chorkonzert “Stimmen für Europa” am 12. Mai, das wird etwas wirklich Tolles, und wir möchten zeigen, dass das vereinte Europa für viele Menschen, z.B. in Weinheim, persönlich viel bedeutet.

Es muss ja nicht gleich so sein wie im Europa-Mythos, in  dem sich Zeus ziemlich unsterblich, was er eh schon war, in die Königstochter Europa alias Εὐρώπη verliebte und nicht mehr von ihr lassen konnte – aber zur Wahl gehen und das Richtige wählen, das wäre schon was. Oder?

Beste Grüße
Ihre


Alexander Boguslawski und Adalbert Knapp

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On the Road

Die Commerzbank im Hintergrund, einen eiligen Passanten im Vordergrund und Europa im Mittelpunkt: So sah es am letzten Samstan am Karlsberg (von wegen Karl der sog. Große, Vater Europas) aus. Die meisten Passanten meinten auf die Frage “Können wir Sie für Europa begeistern?”, “Sind wir schon!”, manche ließen sich gern auf ein Gespräch ein und zwei oder drei meinten, dass sei sowieso alles dummes Zeug und wir sollten das (wieder einmal?) auf eigene Faust probieren.

Den nächsten Informationsstand gibt es am 30. April, am geichen Ort, weder von 10 bis 13 Uhr. Kommen Sie vorbei!

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Aktuell

Ungarn 2019Land im Übergang

Vortrag von Dr. Peter Fábri am
14. März
2019, 19.00 Uhr in der Volkshochschule

Ungarn versuchte während der tausend Jahre seiner Existenz mehrfach, sich an Europa anzuschließen. Aber alle diese Versuche waren stets nur begrenzt erfolgreich. Der letzte diesbezügliche Versuch fand beim Systemwechsel 1989 / 1990 statt, denn daraus entstand die Republik Ungarn. In den 20 Jahren ihres Bestehens war die Republik durch liberale Demokratie und soziale Marktwirtschaft gekennzeichnet. Im Jahre 2010, als Viktor Orbán zum zweiten Mal Ministerpräsident von Ungarn wurde, endete auch dieser Versuch erfolglos. Wir können also wieder von vorne anfangen.

Dr. Péter Fábri, Jahrgang 1953, ist ein ungarischer Schriftsteller und Songwriter. Seine literarische Karriere begann in den 1970er Jahren mit der Veröffentlichung von Gedichtbänden. Später erschienen Romane, Erzählungen und Märchen. Seit 1981 arbeitet er für das Theater. Seine Theaterstücke, Workshops, Musicals und Theaterstücke für Kinder werden in ganz Ungarn aufgeführt. Er schreibt Liedtexte für seine Frau Kriszta Kováts und für weitere ungarische Schauspieler und Sänger, die mit großem Erfolg interpretiert werden.

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Für ein  Europa der  Bürgerinnen und Bürger!

Ein Abend mit Kandidatinnen und Kandidaten für das Europaparlament
Diskussion, Information, Musik und einer Preisverleihung

Donnerstag, 11. April 2019, 19:00 Uhr
Rolf-Engelbrecht-Haus, Weinheim, Breslauer Straße 40

Musik aus Europa

Übergabe der Preise an die GewinnerInnen des Quiz „Doch Europa!”
Europäer in Weinheim: Talk zu Europa mit Weinheim Bürgerinnen  und Bürgern mit europäischen Wurzeln

 Europa für  Bürgerinnen und Bürger!
Interviews zur Person und Gespräche der Moderatoren mit den Kandidatinnen und Kandidaten zur Europawahl
Bernd Barutta, Freie Wähler, Anna Deparnay-Grunenberg, Bündnis 90/Die Grünen Andreas Glück, FDP, Dominique Odar, SPD, Moritz Oppelt , CDU,
Martin Schirdewan, Die Linke
Fragen und Beiträge der Bürgerinnen und Bürgern im Publikum

Moderation: Alexander Boguslawski – Roland Kern – Adalbert Knapp
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In zwei Monaten ist es soweit

Stimmen für Europa

Die Einladung zu dem großen Chorkonzert am 12. Mai mit den Spielregeln finden Sie hier, die Anmeldeformulare hier.

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Das  „Doch-Europa! – Quiz

Im Rahmen unserer Initiative  zu den Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai veranstalten wir zusammen mit Weinheimer Schulen ein Quiz zum Thema Europa. Erfreulicherweise ist es gelungen, über 30 Preise für die Gewinnerinnen und Gewinner einzuwerben.
Wenn Sie einen dieser Preise, Eintrittkarten zu Weinheimer Kulturveranstaltungen oder Büchergutscheine, gewinnen wollen, schauen Sie doch einfach einmal hier rein.
Die Verteilung der Preise findet am 11. April um 19:00 Uhr bei der Veranstaltung „Ein Europa der Bürgerinnen und Bürger!” im Rolf-Engelbrecht-Haus statt.

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Finde dein Match!

Wahlomat zur Europawahl

Auch für die Wahlen zum Europa-Parlament gibt es einen Wahlomat!
Ganz modern per du formuliert:
„Sieh, mit welchen Politikern, nationalen Parteien und europäischen politischen Gruppen deine Ansichten, basierend auf den vergangenen Handlungen dieser Gruppen, übereinstimmen.
Stimme ab über 25 Entscheidungen, die die MEPs tatsächlich getroffen haben und sieh, welche Politiker, nationale Parteien und europäische Parteigruppen am meisten mit deinen Ansichten übereinstimmen (basierend auf dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten).
Du kannst jedem Thema eine Wichtigkeit zuordnen bevor du abstimmst, sodass die Ergebnisse anhand deiner Prioritäten gewichtet werden. Außerdem kannst du mehr über das Thema der Abstimmung und die Argumente für und gegen den Vorschlag erfahren, bevor du deine Meinung festlegst. Die Namen der Abstimmung wurden zum Zwecke der besseren Verständlichkeit verändert. Alle hier berücksichtigten Entscheidungen wurden in der aktuellen Legislaturperiode (2014-2019) getroffen.
Hier der Link.

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Das Ministerium für Justiz, Europa und Tourismus ruft auf  zu der
Aktion

Europa-Hymne – Zünde den Götterfunken in Dir!

Wäre das etwas für Sie?

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Europa muss schwache Regionen stärken

Gut besuchter Vortrag von Dr. Thomas Ott

Von Anfang an ging es bei der europäischen Vereinigung darum, in allen Mitgliedsländern gleich gute Lebensbedingungen zu schaffen. Nur in einem möglichst homogenen Wirtschafts- und Sozialraum – so war man überzeugt – wären die Menschen bereit, mit anderen europäischen Ländern gemeinsam Politik zu machen und auch nationale Souveränität an eine europäische Behörde abzugeben. An dieser Aufgabe, regionale Entwicklungsunterschiede in der EU zu nivellieren, arbeitet man heute noch.

Nicht nur gibt es weiterhin strukturschwache Regionen zum Beispiel in Spanien und Süditalien; mit der Osterweiterung seit den 90er Jahren sind etwa mit Rumänien und Bulgarien Länder in die EU aufgenommen wurden, die im Vergleich zu den westeuropäischen Ländern sehr rückständig sind. Einen detaillierten Überblick über die vielfältigen „regionalen Disparitäten in Europa gab der Geografieexperte Dr. Thomas Ott in einem Vortrag vor den zahlreichen aufmerksamen Besuchern in der Volkshochschule. Es war eine weitere Veranstaltung der Initiative „Doch Europa! in diesem Frühjahr.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es im gesamten EU-Raum ein ausgeprägtes Nord-Süd- und West-Ost-Gefälle gibt. Nur im geografischen Zentrum zieht sich ein hochentwickeltes Band von Südengland über die Benelux-Länder, Süddeutschland bis nach Norditalien durch die EU, wo alle wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren auf Wohlstand und Innovationskraft hinweisen.

Die schlechte Nachricht ist nun, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren nach 2008 die Schere zwischen hoch und wenig entwickelten Regionen in Europa noch verstärkt hat, d.h. Länder wie Deutschland oder Holland haben die Krise viel schneller überwunden als etwa Spanien oder Italien. Die gute Nachricht am Ende von Otts Vortrag lautete, dass die EU immer mehr Geld aus ihrem Haushalt für die Entwicklung rückständiger Regionen einsetzt, und dass die damit finanzierten Maßnahmen auch greifen.

Nicht zuletzt Deutschland profitiert von Projekten aus dem Regionalfond der EU, und außerdem sei es am Ende auch für ein Bundesland wie Baden-Württemberg wichtig, wenn es den europäischen Randregionen gut gehe, damit man mit ihnen guten Handel treiben kann. Thomas Ott schloss deshalb seinen Vortrag mit dem Appell, sich bei den bevorstehenden Europawahlen für eine starke Europäische Union einzusetzen, denn nur auf diesem Wege könne man eine möglichst harmonische Entwicklung der Regionen in Europa erreichen.

Alexander Boguslawski
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Rumgefragt

bei André Salazar

Heimat Europa der Nationen und Kulturen

Alamida, ein kleines Dorf in der Nähe von Malaga in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, Anwerber aus Alemania suchen auf dem Marktplatz Arbeitskräfte für das Wirtschaftswunderland, Juan  Salazar-Batilla macht sich auf, zunächst für ein Jahr, einige Zeit später wird er mit der ganzen Familie auswandern, Gastarbeiter hieß das damals, anfangs lebt die Familie in Siedelsbrunn, seit 1976 in Weinheim, klar, der Vater schafft beim Freudenberg, die Familie ist inzwischen siebenköpfig. In Weinheim leben zu dieser Zeit um die 3000 Ausländer, mit und ohne Familien. Es schließen sich Migranten-Vereinigungen zusammen, etwa das Spanische Zentrum, die „Associacion de padre y familia, deren Vorsitzender der Vater von André Salazar ist, einem der fünf Kinder der Familie.

“Brennpunkt-Klasse in der Pestalozzischule

Beim Gespräch im Café Flo erzählt er, Jahrgang 1965, von der Brennpunkt-Klasse in der Pestalozzischule in den 70er Jahren. Von 27 Kindern sind 24 ausländischer Herkunft, spanisch, griechisch, türkisch, polnisch, italienisch, ziemlich europäisch eigentlich. In der achten und neunten Klasse bewirkt ein Lehrer mit harter Hand („aber gerecht), dass ein Zug in die Klasse kommt. „Es ist aus allen etwas Gutes geworden.
Manchmal denkt er darüber nach, wie das mit der Integration damals und heute war. Das Gastarbeiterkind schließt die Hauptschule ab, macht eine Lehre als Heizungsbauer („wenn in der Wohnung bei der Heizung etwas nicht funktioniert …), übernimmt nach einigen Berufsjahren mit Bruder Juan und Vaters Hilfe das Florian von den Ferrareses, bis er sich entschließt, das Abitur zu machen und zu studieren. Letztendlich fiel dann doch die Entscheidung für die Gastronomie. Rückblickend denkt er gelegentlich schon, dass das eine harte Zeit war und das heute doch eher einfacher ist.

Europa schafft Identität

Die Situation in Spanien? Beste Infrastruktur, „man könnte mehr daraus machen, die Katalonienfrage wurde unnötig zugespitzt. Die eigene Bindung an die alte Heimat? Sprache, Kultur „Meine Schwester hält bald bei der vhs einen Vortrag über Osterbräuche in Spanien, den Urlaub verbringt die Familie in Spanien im Heimatdorf, wenn es einmal anderswohin geht, war das kein richtiger Urlaub.
Sehr ernst wird der Ton bei der Frage, was Europa für den Spanier in Deutschland und den Deutschen in Spanien bedeutet. Da ist Europa das Verbindende, das fehlen würde, wenn die EU auseinanderbrechen sollte. Die vielen europäischen Kulturen und Nationen unter dem vereinenden Dach Europa.

Text und Bild: Adalbert Knapp 

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Post aus …

In der folgenden Rubrik kommen Leute zu Wort, die außerhalb unseres germanischen Horizonts in Europa leben und wirken und die mit Weinheim oder mit Weinheimerinnen und Weinheimern zu tun haben.  Den ersten Brief, vermittelt von  Professor Sandor Vajna, einem unserer Mitstreiter, schrieb uns Peter Fábri aus Budapest.

Diesmal kam wieder Post aus…

Budapest

Peter Fábri hat  geschrieben, der am 14. März nach Weinheim kommt.

13.02.2019.

Es war einmal

Es war einmal ein Graf. Dieser Graf lebte in der Habsburg-Monarchie, die zu dieser Zeit noch keine Österreichisch-Ungarische Monarchie war. Obwohl dieser Graf ein Ungar war und er im westlichen Teil des Ungarischen Königreichs lebte, sprach er kein Ungarisch. Er war der reichste Mann im Land. Als er noch sehr jung war…

Blick nach Berlin

Auch diesmal werfen wir einen Blick nach Berlin und auf die Webseiten der europapolitischen Sprechenden der Bundestagsfraktionen (das ist jetzt nicht einfach mit gendergerchten Sprache, wenn es eine solche Sprecherin und sonst lauter Sprecher gibt) .

Diesmal starten wir mit Alexander Graf Lambssdorff. Immer noch “Bonn im Herzen und die Welt im Blick“, berichtet er unter Neuigkeiten”: “Mit dem ZDF Mittagsmagazin habe ich über die Vorschläge von Emmanuel Macron gesprochen. Vieles davon müssen wir debattieren und im Detail sicher auch streiten. Aber konstruktiver, demokratischer Streit der Europa nach vorn bringt brauchen wir. Was wir nicht brauchen ist Schweigen, Aussitzen und Nichtstun, wie wir es von der Bundesregierung kennen.” Klar, recht hat er, und die Bundesregierung natülich auch.

Andrej Hunko  von der LINKEN  sieht das ganz anders: „Macrons Text manifestiert erneut die Ideenlosigkeit der EU-Eliten angesichts der multiplen Krisen der Europäischen Union. Neben blumiger Prosa finden sich die üblichen imperialen Ambitionen, die als Lösungen präsentiert werden: Aufrüstung, Abschottung und verschärfter Wettbewerb.”  Und weiter: „Den Renationalisierungstendenzen in vielen Mitgliedstaaten setzt Macron einen EU-Nationalismus entgegen. Durch Abschottung der Außengrenzen und erhöhte Militärausgaben will er die EU zusammenhalten und fit machen, um als Großmacht auf dem globalen Parkett mitzuspielen. … Sein Brief atmet den Geist der Konfrontation, nicht der internationalen Kooperation.

Mal sehen, wie das bei den anderen aussieht. Christian Petry von der SPD meint: “Die Europäische Union durchlebt gerade stürmische Zeiten….
da gilt für uns als Europäische Union nur eines: Wir müssen noch enger zusammenrücken, enger zusammenarbeiten. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass in Zukunft wieder Vernunft und Verantwortung siegen.
Unsere Botschaft ist ganz klar: Populismus ist das Problem. Und Europa ist die Antwort.” Wie die SPD sich da vorstellt, erfahren  frau und man, wen sie den Link zu Katharina Barley anklicken, Macron kommt da nicht vor.

Nicht nur, weil gerade Internationaler Frauentag war, findet Franziska Brantner  europapolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen in einem Gastbeitrag für EDITION F, dass bei der Europawahl Frauenrechte auf dem Spiel stehen.  Mehr dazu können Sie hier lesen. Franziska Brantner findet die Macron-Vorschläge ziemlich cool und die von AKK weniger.

Bei  Florian Hahn europapoltischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion,  steht unter „aktuell immer noch  nichts drin zu Europa, er dankt allerdings weiter den Schneeräumern. Freilich hat er in den eigenen Reihen den Spitzenkandidaten der EVP, Manfred Weber, ein „Bayer für Europa, der übrigens die Macron-Ideen nicht schlecht findet: „Wir müssen zu schnelleren Entscheidungen kommen in jenen Feldern, die für Europa jetzt besonders wichtig sind – wie etwa die Außen- und Sicherheitspolitik. Ich würde beispielsweise vom Einstimmigkeitsprinzip in der Außenpolitik wegkommen. Aber dafür sind Änderungen des EU-Vertrags notwendig.

Hoffentlich bekommt das AKK nicht mit!

Ach ja, die AfD fehlt  ja noch! Harald Weyel, ihr europapolitischer Sprecher, meinte im Deutschlandfunk vor kurzem: “Wer AfD wählt, weiß, dass die Reformen in der EU erzwungen werden und dass Deutschland sein Äußerstes tun wird, erstmals in der Geschichte der EU möglicherweise, dass mit deutschem Ernst Verhandlungen und Reformen durchgesetzt werden, von denen am Ende alle profitieren” Warum eigentlich nicht, das hat doch schon eimal so gut funktionert mit dem deutschen Wesen …?

Zusammenstellung: Adalbert Knapp

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Das Porträt

Eine Europäerin in Madrid

Prof. Dr. Teresa Jurado

Frau Jurado, Wie fühlt sich das an, wenn Sie Post aus Weinheim bekommen, der Stadt, in der Sie aufgewachsen sind?

Ich freue mich, weil Weinheim viele schöne Erinnerungen und positive Gefühle in mir weckt.

Ehe wir zu den großen Fragen kommen, ein paar persönliche.
Sie kamen 1968 in Viernheim auf die Welt, wenige Jahre später zogen Ihre Eltern nach Weinheim. Welches sind Ihre frühesten Erinnerungen?
Lesen Sie bitte hier weiter …

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Unser Buch zu Europa

Ohne Geschichte keine Gegenwart

Mit „Weltordnung ohne den Westen, vor einem halben Jahr bei Herder erschienen, hat ein kenntnisreicher, in der Außenpolitik der letzten Jahrzehnte erfahrener Politiker präzise und verständlich dargestellt, welche Rolle Europa zwischen Russland, China und Amerika spielt, spielen könnte und möglicherweise spielen sollte. Erfreulich für die Leserin und den Leser, wenn Erler sie oder auch ihn an seiner langjährigen Erfahrung auch als handelnder Politiker teilhaben lässt. Der Autor schlägt den Bogen von Putins Russland über China unter Xi Jinping, Trumps USA und der Europäischen Union „im Krisenmodus.Der auch historisch interessierte Leser und auch die ebenso versierte Leserin wird sehr angetan sein davon, dass Erler die Bedingtheit jeder politischen Fragestellung durch die Geschichte immer wieder darstellt und betont.

Russland in Europa

Ein Aspekt sei unterstrichen, der dem Ostpolitiker Erler besonders wichtig ist. Europa ist nicht nur die Europäische Union, zu Europa gehört seit Jahrhunderten Russland, ohne das es ein Auskommen und eine Friedensordnung auf diesem Wurmfortsatz des Eurasischen Kontinents nicht geben kann. Er erinnert an die Rede die der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin am 25. September 2001 vor dem Deutschen Bundestag gehalten hat und die Putin, anfangs etwas nervös, in deutscher Sprache gehalten, so endet: „Wir sind natürlich am Anfang des Aufbaus einer demokratischen Gesellschaft und einer Marktwirtschaft. Auf diesem Wege haben wir viele Hürden und Hindernisse zu überwinden. Aber abgesehen von den objektiven Problemen und trotz mancher – ganz aufrichtig und ehrlich gesagt – Ungeschicktheit schlägt unter allem das starke und lebendige Herz Russlands, welches für eine vollwertige Zusammenarbeit und Partnerschaft geöffnet ist. Russische Seele? Russisches Pathos? Oder eine vertane Chance „des Westens?

Neustart mit Emanuel Macron

Zurück in diesen Westen: Erler beendet seinen höchst lesenswerten und erfreulich kompakten politischen Essay mit der Begeisterung für Emanuel Macrons Rede im September 2017 in der Sorbonne, mit deren Vorschlägen er einen Neustart erhofft. Wieder nach Osten gewandt zitiert er aus seiner Abschiedsrede im Deutschen Bundestag am 22. Juni 2017: „Wer heute die russische Seite auf ihre Regelverletzungen im Ukrainekonflikt abspricht, bekommt immer wieder dieselbe Antwort: Und was habe ihr im Kosovo, im Irak und in Libyen gemacht? In dieser Falle stecken wir. Da herauszukommen und neues Vertrauen zu schaffen, wird sehr viel Kraft kosten.    Unser Ziel muss die globale Verantwortungspartnerschaft bleiben, in die wir alle relevanten Staaten mit einbeziehen müssen. So ist es!

Gernot Erler, Weltordnung ohne den Westen? Europa zwischen Russland, China und Amerika. Freiburg, 2018,154 Seiten, € 20.- (16,99).

Gernot Erler (* 1944) war von 1987 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages (SPD) und von 2005 bis 2009 Staatsminister beim Bundesminister des Auswärtigen. Von Januar 2014 bis April 2018 war er „Koordinator für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der Östlichen Partnerschaft der deutschen Bundesregierung im Kabinett Merkel.
Youtube macht es möglich, in die Rede Putins hineinzuhören

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Impressum

V.i.S.d.P.
Dr. Alexander Boguslawski
Friedrichstraße 28
69469 Weinheim
Telefon 06201 16605
a.boguslawski@docheuropa.de

Dr. Adalbert Knapp
Müllheimer Talstraße 66
69469 Weinheim
Telefon 06201 63254
a.knapp@docheuropa.de

Redaktion:
Alexander Boguslawski, Adalbert Knapp,
Norbert Kramer

Texte: Alexander Boguslawski, Peter Fábri, Theresa Jurado, Adalbert Knapp,

Bilder:  Adalbert Knapp, Norbert Kramer

Layout und Webdesign
Sven Holland , Weinheimer Jugendmedien
Web-Programmierung
Norbert Kramer IngBüro Kramer